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Newsletter 02/2009

Onna-no-hito - Frau

Onna no hito (Frau)

Hier finden Sie einen kleinen Ausschnitt aus meinem in wenigen Tagen erscheinenden Buch, das aus meiner 15jährigen Japanerfahrung heraus entstanden ist. Es werden zahlreiche reale Fälle und häufig gestellte Fragen geschildert, die ich anhand meiner Erfahrungen als Trainerin und Beraterin analysiere und konkrete Verhaltenstipps für die Praxis gebe. Alle Kapitel sind einheitlich strukturiert, mit Bemerkungen über die deutsche und die japanische Sicht versehen. Neben Themen zum Business-Know-How, z.B. Meetings, Umgang mit Vorgesetzten, Geschäftsreisen, gibt es auch Themen, die zu Religion, Essen und Trinken, Geschenkverhalten Stellung beziehen und Hilfestellung geben: präzise erklärt und für den Leser schnell und einfach nachzuschlagen.

"Praxisführer Japan. Fettnäpfchen gekonnt vermeiden" von Rita Menge, erschienen bei Königshausen & Neumann, Würzburg, 2009, ISBN 978-3-82604158-7

Flagge JapanAls Frau im japanischen Berufsleben (gekürzter Auszug aus diesem Kapitel)

Japan

Zunächst die statistische Situation: Japanische Frauen sind sehr gut ausgebildet, die Eltern machen bei der äußerst kostspieligen Ausbildung keinen Unterschied zwischen Mädchen und Jungen. Beide Geschlechter werden im selben prozentualen Anteil auf weiterführende Schulen geschickt (97%!) und besuchen die Universität (über 50%). Allerdings absolviert ein bestimmter Anteil der Mädchen ein spezielles zweijähriges Frauenkurzstudium, während die Jungen vier Jahre studieren.
Nach der Universität kommt es aber tatsächlich zu einem großen Unterschied: Während die Männer in den Firmen eine Art Trainee-Ausbildungsprogramm absolvieren, sind die Frauen für zuarbeitende Bürotätigkeiten zuständig, die ihnen praktisch keine Aufstiegschancen ermöglichen. Außerdem haben auch halbherzige Gesetze nichts an der üblichen Praxis geändert, dass von Frauen erwartet wird, dass sie nach der Hochzeit oder spätestens nach der Geburt eines Kindes aus der Firma ausscheiden.
Wenn die Kinder älter sind, beginnen die Frauen wieder zu arbeiten, nun sehr häufig in schlecht bezahlten, sozial nicht abgesicherten Teilzeit- und Aushilfstätigkeiten. Als Teilzeitkraft in einem kleinen Supermarkt verdient man zwischen sechs und neun Euro pro Stunde. Viele westliche Wirtschaftsexperten bezeichnen diese Beschäftigungsverhältnisse als das Rückgrat der japanischen Wirtschaft.
Das Gerücht, dass japanische Firmen junge Frauen einstellen, um ihren bis zu 14 Stunden arbeitenden Junggesellen zu ermöglichen, eine Frau fürs Leben kennen zu lernen, ist nicht von der Hand zu weisen. Die jungen Angestellten haben bei den langen Arbeitszeiten und den zum Teil auch am Wochenende von ihnen erwarteten gemeinsamen Freizeitaktivitäten kaum Gelegenheit, jemanden außerhalb der Firma kennen zu lernen.

Natürlich gibt es auch in Japan ein paar Vorzeigefrauen, die beeindruckende Karrieren gemacht haben, aber im Mittel ändert dies nichts an der Tatsache, dass Frauen in den besser bezahlten Jobs mit weiterführender Perspektive unterrepräsentiert sind.

 

GlühlampeAus der Praxis (gekürzter Auszug)

Frage eines Teilnehmers:
"Wie soll ich mich japanischen Kolleginnen gegenüber verhalten?"

Wie Sie es aus Deutschland gewöhnt sind, verhalten Sie sich ruhig höflich im deutschen Sinn. Japanische Frauen brechen in Kichern aus, wenn Ihnen Männer die Tür aufhalten und ihnen ist die Situation ein bisschen peinlich, aber sie freuen sich auch über ein charmantes Verhalten durch männliche Kollegen. Japanische Männer tun dies nicht.

Häufige Anmerkung von Teilnehmerinnen : "Als Frau werde ich doch in Japan gar nicht ernst genommen."
Diese Aussage wird sehr oft geäußert und führt zur Frage: Wie ist das in Deutschland? Wenn hier eine Frau in einem "Männerberuf", z.B. eine Ingenieurin, neu in eine Abteilung kommt, muss sie ebenfalls beweisen, dass sie ihr Fach beherrscht und zu Recht diese Stelle einnimmt. In Japan ist dies nicht anders. Wenn Sie gezeigt haben, dass Sie fachlich fit sind und sich an die japanischen Gegebenheiten anpassen können, vergessen die japanischen Kollegen schnell, dass Sie eine Frau sind. Mit allen Vor- und Nachteilen: Es wird Ihnen niemand die Tür aufhalten oder Ihnen Vortritt lassen; im Gegenzug lassen sich die japanischen Kollegen auch nicht von weiblichem Verhalten beeindrucken.

Praxis

 

Für die Praxis

Für Männer

Für Frauen (gekürzter Auszug)

"Praxisführer Japan. Fettnäpfchen gekonnt vermeiden" von Rita Menge