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Newsletter 01/2009

Bijutsu - Moderne Kunst

Bijutsu

Moderne Kunst

Wenn wir an japanische Kunst denken, denken wir vielleicht an Hokusais Welle oder es fallen uns Begriffe ein wie Kalligrafie und Holzschnitte. In Japan gab es bis ins 20. Jahrhundert hinein keine Kunst, die als solche anerkannt war. Kunst galt als Kunsthandwerk. Dies hat sich heute grundlegend geändert, aber wir nehmen selten Notiz davon. Dabei begeistert auch die moderne japanische Kultur Kunstinteressierte im Westen mehr und mehr, da sie wirklich anders und einzigartig ist. Fotografie, Malerei, Architektur und Grafik sind heute in Japan ebenso erfolgreich und wichtig wie im Westen. Unsere Kinder zwischen sieben und siebzehn Jahren sind ohnehin schon längst von japanischen Ideen in Bann gezogen: Videokonsolen, Spiele, Gameboys, Sammelkarten, Mangas, DVDs fehlen heute in kaum einem Kinder- und Jugendzimmer.

Hayao Miyazakis Filme haben schon in den 70er Jahren viele Kinder begeistert. Die Zeichentrickserie "Heidi", die 1975 ins deutsche Fernsehen kam, wird bis heute im ZDF gezeigt und trägt schon das Genie Miyazakis in sich. Später schuf er weltweit vielgeliebte Zeichentrickfilme wie "Prinzessin Mononoke" und "Chihiros Reise ins Zauberland" (2003 ausgezeichnet mit dem Oscar als bester Animationsfilm). Miyazakis Filme haben keine einfachen Gut/Böse Botschaften. Er zeigt die Realität und will Mut machen "Habt keine Angst, ihr werdet das Leben schon meistern" äußerte er in einem Interview. 2009 erscheint sein neuster Film "Ponyo am Abgrund". Das Motto dieser Geschichte, erzählt aus der Sicht eines Fünfjahrigen, ist: "Wie schön ist es, geboren zu sein". Natürlich sind alle 160.000 Einzelbilder mit der Hand gezeichnet, wie bei allen seinen Filmen.

Takashi Murakami ist ein Phänomen der Kunstwelt. Das "Time Magazin" kürte ihn zu einem der 100 einflussreichsten Menschen der Welt. Seine aktuelle Ausstellung wurde zuletzt in Frankfurt gezeigt. Davor war sie in Los Angeles und der Museumsshop wurde am ersten Tag von den Besuchern gestürmt und leer gekauft. Ein wichtiges Prinzip Murakamis ist: Kunst ist Kommerz. Seine weltweiten Fans nehmen ihm die konsequente Vermarktung seiner Kunst nicht übel. Murakami wurde klassisch ausgebildet und hat früh verkündet, dass er mit seiner Kunst reich werden möchte. Dies ist ihm gelungen, er beschäftigt heute 120 Mitarbeiter und eines seiner Werke wurde in Amerika für 13,5 Millionen Dollar verkauft. Die Motive wieder- holen sich: Mister Dob, den Murakami am Anfang seiner Karriere zu seinem Markenzeichen machte, bunte Blumen, die Mangafiguren Kaikai und Kiki. Auf den ersten Blick ist alles niedlich und kitschig, aber bei genauerer Betrachtung werden diese Wesen auch sehr bösartig und der eben noch harmlose Pilz plötzlich zum Atompilz. www.moca.org/murakami/ (bietet eine Vielzahl an Videos zur Ausstellung).